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Projekt Baumpersönlichkeiten
Zu Beginn des Praktikums im Bereich Natur & Wissenschaft haben wir den Luxus, dass bei der Verteilung von Aufgaben Rücksicht darauf genommen wird, wo unsere Prioritäten / Interessensfelder liegen. Man bekommt also vermehrt Aufgaben zu den Themen, die einen am stärksten interessieren. Eine meiner Prioritäten war Forst- und Waldwissen.
Eine dazu passende Aufgabe, über die ich mich sehr gefreut habe, war das Aufnehmen und Vermessen von sogenannten „Baumpersönlichkeiten“. Diese werden als solche betitelt, weil sie außergewöhnliche und für den Naturschutz wertvolle Attribute haben. Zum Beispiel ein hohes Alter oder eine besondere Wuchsform. Auf die Baumpersönlichkeiten wird im Nationalparkmanagement besondere Rücksicht genommen.
Wie identifiziert man sie? Dazu gibt es im Nationalpark Donau- Auen eine Klassifizierung nach Baumart und Umfang beziehungsweise Brusthöhendurchmesser (BHD). So müssen Baumweiden, Rotbuchen und Silberpappeln mehr als 80 cm BHD haben, Stieleiche, Schwarzpappel, Gemeine Esche, Ulme, Linde und Feldahorn mehr als 50 cm, Kirsche mehr als 40 cm und Flaumeiche und Wildobst über 35 cm, um als Baumpersönlichkeit zu gelten.
Bereits im November 2003 bis Februar 2004 wurde eine Erstkartierung des Altbaumbestandes von Ludwig Dorfstetter, Eike Julius und Christian Fraissl vorgenommen. Im Zuge dieser Aufnahmen wurden die stärksten und schönsten Individuen von über 25 Gehölzarten ausfindig gemacht, vermessen und auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Meine Aufgabe bestand darin, eine Auswahl dieser Bäume erneut aufzusuchen, neu zu vermessen und einige Parameter zu erfassen (Totholzanteil, Pilzbefall, Spechtlöcher etc.).
Unter den vermessenen Bäumen befinden sich einige bereits selten gewordene Arten wie Feldulme (Ulmus minor) oder Wildbirne (Pyrus pyraster). Den überwiegenden Anteil stellen jedoch Pappeln (Populus nigra, P. alba 35%), Weiden (Salix alba 15%) und Eichen (Quercus robur 13%).
Ein paar dieser Exemplare sieht man hier:
Pappel, ca. 115 Jahre, zwischen Regelsbrunn und Haslau
Stieleiche, ca. 115 Jahre, in der Unteren Lobau
Stieleiche, ca. 100 Jahre, zwischen Orth und Eckartsau
Kartierungen von solchen Baumpersönlichkeiten sind immer wieder über die Jahre im Nationalpark vorgenommen worden. Die letzten Aufnahmen wurden 2022 gemacht. Das Ziel war, die Veränderungen der Bäume im Bezug auf Durchmesser und Umfang, Höhe und Kronendurchmesser zu dokumentieren.
Das durfte ich dieses Jahr wiederholen. Ich schaute mir die bereits als solche festgelegten und aufgenommenen Baumveteranen, welche in der Nähe von den Wegen im Nationalpark Donau Auen stehen an.
Dazu habe ich mit Maßband, Höhenmessgerät, Fluchtstangen und Kamera gearbeitet. Nach dem Vermessen und einer Zustandsbeurteilung (bezüglich z. B. Vitalität, Mistelbefall, Spechthöhlen etc.) wurden die Bäume noch im Bezug auf auffällige Merkmale fotografiert.
Mit dieser Tätigkeit war ich im gesamten Areal des Nationalparks unterwegs und konnte so neben meinen Haupttätigkeiten im Niederösterreichischen Teil auch die Obere und Untere Lobau sowie den Mannswörther Bereich kennenlernen.
Dabei zeichnet sich die Obere und Untere Lobau durch vermehrte Wiesenlandschaften und Äcker mit den dazugehörigen Arten aus, während der Niederösterreichische Teil des Nationalparks stärker durch Wälder geprägt ist.
Diese Aufgabe war eine gute Gelegenheit, den Nationalpark Donau Auen in seiner ganzen Vielfalt zu sehen und bewundern zu können.
Evita Pastrzig
Praktikantin im Nationalpark Donau-Auen