Reiher – Zwergrohrdommel

Ixobrychus minutus

Die Zwergrohrdommel, unsere kleinste Reiherart, hat in den letzten Jahrzehnten einen massiven Bestandeseinbruch hinnehmen müssen, der auf die Verschlechterung der Lebensraumqualität in den Brutgebieten und den Verlust von Zugrastplätzen südlich der Sahara zurückzuführen ist.

Der charakteristische, aber unauffällige Bewohner röhrichtgesäumter Gewässer macht kletternd und lauernd vor allem auf Kleinfische Jagd. Im Nationalpark Donau-Auen brütet ein wichtiger Teil der österreichischen Population.

Merkmale
Wenn man eine Zwergrohrdommel am Schilfrand mit raschen Flügelschlägen dahinfliegen sieht, würde man nicht gleich annehmen, dass der kaum taubengroße Vogel ein Vertreter der Reiher - der kleinste in Europa - ist.

Der überwiegende Farbeindruck ist warm beige bis lehmfarben. Im Fluge fällt ein helles Feld im dunklen Flügel auf. Untypisch ist auch, dass bei der Zwergrohrdommel, als einziger heimischer Reiherart, Männchen und Weibchen ein deutlich unterscheidbares Federkleid tragen. Beim Männchen hebt sich die Oberseite mit dem Schwarz von Kopfplatte und Rücken auffallend von der Unterseite ab. Das Weibchen ist längsgestrichelt, oberseits dunkel braun gestreift und generell weniger kontrastreich gefärbt. Jungvögel sind noch unscheinbarer gezeichnet.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Reihern spielt bei der Zwergrohrdommel im unübersichtlichen Schilf-Lebensraum die akustische Kommunikation eine große Rolle: von April bis Juli ist vor allem spät nachmittags und abends ein etwa alle 2 Sekunden wiederholtes, gedämpftes und froschartiges "wru" zu hören.

Verbreitung
Die Zwergrohrdommel bewohnt Süd- und Mitteleuropa und erreicht im Osten Südwest-Sibirien, Indien und Neuseeland, im Süden Afrika. Die stärksten Populationen sind in Russland und Rumänien zu finden. Häufig ist die Art noch in unseren Nachbarländern Ungarn, Italien und Kroatien.

In Österreich ist die Art nur lokal verbreitet und nur in den wärmeren Monaten zu beobachten. Schwerpunkte sind in erster Linie der Neusiedlersee, weiters Altarme der Lobau, Teiche im unmittelbaren Umfeld von Wien und im südlichen Wiener Becken. Daneben kommt sie lokal an Fischteichen in der östlichen Steiermark, im südlichen Burgenland und im Waldviertel vor.

Gefährdung und Schutzstatus
Die Zwergrohrdommel hat in beinahe allen Ländern Europas massive Bestandseinbußen hinnehmen müssen. Sie wurde daher nach der Vogelschutzrichtlinie auf die Liste der EU-weit besonders zu schützenden Vogelarten gesetzt. Auch in Österreich ist die Zwergrohrdommel aus vielen Gebieten verschwunden oder selten geworden, so etwa am Neusiedlersee, wo sie ehemals sehr häufig war. Auch in den Donau-Auen war sie noch zu Kronprinz Rudolfs Zeiten die häufigste (!) Reiherart. Wegen des anhaltenden Rückgangs gilt die Art als "vom Aussterben bedroht".

Für die negative Entwicklung sind offenbar mehrere Ursachen verantwortlich: Einerseits verlängert die Austrocknung der Feuchtgebiete in der Sahelzone die Zugwege und erhöht auf diese Weise die Mortalität außerhalb der Brutzeit. Diese Lebensraumverluste werden auch für die Bestandsabnahmen bei anderen Zugvögeln mit ökologisch ähnlichen Ansprüchen verantwortlich gemacht. Andererseits kam es in auch in den Brutgebieten, so in Österreich, zur Zerstörung und Eutrophierung gerade der wichtigen kleineren Feuchtgebiete.

Auch die expandierende Freizeitfischerei hat vermutlich zum Rückgang beigetragen: das Einbringen exotischer Fischarten, Fischbesatz und die Zurückdrängung der Wasser- und Ufervegetation an Teichen sind Ursachen für die verringerte Häufigkeit von Klein- und Jungfischen, für die Veränderung der Fischartenzusammensetzung sowie für erhöhten Störungsdruck.

Lebensweise
Zwergrohrdommeln sind nicht unbedingt scheu, leben aber recht versteckt im Röhricht. Mit zeitlupenartigen Bewegungen klettern sie geschickt im Schilf oder lauern bewegungslos am Gewässerrand. Entdecken sie dabei kleine Fische, Amphibien oder größere Wasserinsekten, versuchen sie sie durch blitzartiges Vorstrecken des langen Halses mit dem dolchartig zugespitzten Schnabel zu erbeuten.

Die Weitstreckenzieher, die auf der Reise von bzw. nach Ost- und Südafrika die Sahara überqueren müssen, kommen vor allem im Mai im Brutgebiet an. Beide Partner bauen das Nest, das in dicht stehendem Schilf nicht allzuweit vom offenen Wasser entfernt angelegt wird. Gelegentlich werden sogar 2 Jahresbruten hochgezogen.

In besonders günstigen Gebieten können die Reviere, die nur in einem kleinen Umkreis ums Nest verteidigt werden, soweit zusammenrücken, dass lockere "Kolonien" entstehen.

Besonderes
Mit der Rohrdommel hat die Zwergrohrdommel ein eigentümliches Verhaltensmuster gemein. Bei Gefahr, etwa wenn der Vogel überrascht wird, streckt er sich regungslos, mit senkrecht nach oben gerichtetem Schnabel, derart in die Länge, dass man von einer "Pfahlstellung" spricht. Dabei kommt die Tarnwirkung der Längsstrichelung und die beigefarbene Grundfärbung im Röhricht optimal zur Geltung und wird manchmal durch ein leichtes Hin- und Her-Wiegen, das das Wehen der Schilfhalme im Wind imitiert, noch verstärkt.

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