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01.06. 2023

Aufwühlende Forschung

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An vielen Orten im Nationalpark findet man scheinbar zufällig verteilte, graslose Stellen, an denen der Boden regelrecht umgegraben erscheint. Dies ist das Werk von wühlenden („brechenden“) Wildschweinen. Diese Tiere können mit ihrem starken Rüssel („Scheibe“) die Grasnarbe durchbrechen, um Nahrung im Untergrund zu suchen. Hier findet sich ein wahres Buffet, nämlich Wurzeln und Regenwürmer sowie Larven und Käfer.

Und während sich die Schweine den Bauch vollschlagen, profitiert auch das Ökosystem davon, denn der Boden wird aufgelockert und obendrein für jene Samen geöffnet, die durch den dichten Bewuchs nie ihren Weg zum Mutterboden gefunden hätten.

Doch so wertvoll diese Wühlaktivität für die Natur generell auch ist – sie erschwert im Detail die Pflegemaßnahmen auf den Auwiesen. Jene müssen nämlich zweimal pro Jahr gemäht werden, um zu verhindern, dass sie verbuschen. Sonst verlören viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten im Nationalpark an Lebensraum.

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Nationalparkwiese mit Wühlspuren

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Durchwühlter Boden

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Wildschwein

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Probengerät

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Fauna in der Bodenprobe

Um die Lage besser einschätzen zu können, wurden die Wiesen sowie die umgebenden Wälder untersucht, um herauszufinden, was die Schweine anzieht. Dabei kam zunächst einmal heraus, dass Wühlflächen tatsächlich viel öfter auf der Wiese als im Wald vorkommen. Die Größe der Wiesen spielte jedoch keine Rolle – sie suchen auf sehr kleinen Wiesen genauso gerne nach Nahrung wie auf sehr großen Flächen.

Weiters wurden Bodenproben genommen, um zu schauen, wie viele größere Bodenlebewesen sich im Untergrund tummeln und anschließend ihr Gewicht zu bestimmen. Tatsächlich zeigt sich die Tendenz, dass die Schweine hauptsächlich dort wühlen, wo sich besonders viel Nahrung im Boden befindet. Die Wahl der Flächen ist also nicht zufällig, sondern sie wissen oft schon im Vorhinein, an welchen Stellen es sich lohnt, den Boden zu brechen. Dabei kommt ihnen ihr ausgezeichneter Geruchssinn zugute. Ganz schön schlau!

Julia Franke
Praktikantin im Nationalpark Donau-Auen

Fotos: Antonicek, Franke

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