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26.02. 2021

Der Zwerg-Rohrkolben – ein Rückblick

Der Zwerg-Rohrkolben (Typha minima) ist eine vom Aussterben bedrohte und konkurrenzschwache Sumpfpflanzenart. Sie besiedelt karge Pionierflächen, die zum Beispiel durch Hochwasser gebildet werden. Durch zahlreiche Flussregulierungen wurde der notwendige Lebensraum der Art stark reduziert, sodass sie mittlerweile in ganz Niederösterreich als ausgestorben gilt, so auch im Nationalpark Donau-Auen.

Zucht:
Aus diesem Grund wurden vor einigen Jahren dem Nationalpark Donau-Auen Pflanzen aus dem Naturpark Tiroler Lech zur Verfügung gestellt. Seit 2011 wird der Zwerg-Rohrkolben erfolgreich weitervermehrt. Auf dem Auerlebnisgelände Schlossinsel kann er in der Vegetationszeit zwischen April und November bewundert werden. Besonders attraktiv ist dieser, sobald die charakteristischen kleinen runden Kolben gebildet werden. Die ergiebige Zucht erlaubt es, dass Pflanzen im Freiland jährlich ausgebracht werden können und sofern noch Material übrig ist, an Interessenten abgegeben werden können.
Dadurch, dass es keinen genetischen Austausch zwischen der Zucht und anderen Populationen des Zwerg-Rohrkolbens gibt, war unklar ob sich ein genetischer Engpass in der Zucht langfristig einstellt. Eine genetische Verarmung verringert bei Pflanzen die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen. Um die genetische Vielfalt der Zucht des Nationalparks herauszufinden, analysierte die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) 2019 Individuen des Zwerg-Rohrkolben von 6 verschiedenen Standorten. Drei hiervon aus dem Naturpark Tiroler Lech und drei aus der Zucht des Nationalparks.
Die durchgeführten Analysen lieferten interessante Ergebnisse. Es konnte bestätigt werden, dass zwei der drei Standorte des Tiroler Lech wie auch die drei Standorte der Zucht im Nationalpark Donau-Auen von derselben Ursprungspopulation abstammen. Unerwartet war das Ergebnis insofern, dass zwei der Standorte der Nationalparkzucht eine höhere genetische Vielfalt aufwiesen als die anderen Populationen und somit auch höher als die der ursprünglichen Pflanzen aus dem Lech.

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Erhaltung und Vermehrung in einem Schwimmbeet

Zwerg-Rohrkolben: Erhaltung und Vermehrung in einem Uferbeet

Erhaltung und Vermehrung in einem Uferbeet

Fruchtende Individuen des Zwerg-Rohrkolben im Auerlebnisgelande Schlossinsel

Fruchtende Individuen des Zwerg-Rohrkolben im Auerlebnisgelände Schlossinsel

Pflanzenproben sammeln an einem autochthonen (naturlichen) Standort im Naturpark Tiroler Lech

Pflanzenproben sammeln an einem autochthonen (natürlichen) Standort im Naturpark Tiroler Lech

Wiederansiedlung der Rhizome mit Erdziegel

Wiederansiedlung der Pflanzenteile (Rhizome) mit Erdziegel für mehr Stabilität und geringere Gefahr weggeschwemmt zu werden

Zwerg-Rohrkolben: Wiederansiedlungsfläche

Wiederansiedlungsfläche

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Wildschweinschutzzaun zum Schutz von ausgepflanzten Individuen des Zwerg-Rohrkolbens

Wiederansiedelung:
Um den hier ausgestorbenen Zwerg-Rohrkolben wieder im Gebiet zu etablieren, wird seit mittlerweile 5 Jahren versucht, durch Ausbringung von Pflanzen den Zwerg-Rohrkolben im Nationalpark wieder zu etablieren. Obwohl derzeit eine sich selbst erhaltende Population noch unwahrscheinlich ist, kann durch die Ausbringung viel über die Ökologie der Pflanze in Erfahrung gebracht werden, wie beispielsweise an welchen Standorten der Zwerg-Rohrkolben den Winter überdauern und höheren Wasserständen trotzen kann. Zusätzlich wird durch die bereits umgesetzten Revitalisierungsprojekte mehr Lebensraum für diese Art geschaffen und eine Ansiedelung vielleicht in Zukunft möglich sein. Im Jahr 2020 fruchtete das erste Mal seit Beginn der Zucht ein Individuum im Freiland.
Über die geglückten Ausbringungen haben sich jedoch bisher nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nationalparkteams gefreut, sondern auch Wildschweine, die sich über die Pflanzen und Wurzelteile hergemacht haben.

Ausblick:
In den kommenden Jahren wird verstärkt darauf geachtet werden, die bisher geeigneten Standorte zu beobachten und gegebenenfalls mit neuen Pflanzen zu stärken. In den nächsten Saisonen wird man versuchen die geeigneten Standorte vor den Wildschweinen zu schützen, um feststellen zu können, ob die Standorte ökologisch tatsächlich passend sind und darauf hoffen, dass sich die Population von selbst vermehrt.

Stefanie Maurer
Praktikantin im Nationalpark Donau-Auen

Hinweis: Die Artenschutzmaßnahmen im Nationalpark Donau-Auen erfolgen unter Förderung durch das Programm Ländliche Entwicklung mit Unterstützung des Landes Niederösterreich sowie der Europäischen Kommission.

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