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13.05. 2021

‚Requisiten‘ in der Naturvermittlung

Ich bin seit über einem Jahrzehnt Nationalpark-Rangerin, außerdem selbstständige Biologin (mit Schwerpunkt Amphibien und Reptilien) und Naturvermittlerin (z. B. für das Bachpaten-Projekt der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal).

Im laufenden Ranger- und Naturvermittlungs-Lehrgang habe ich zwei Themen vermittelt: „Props“ und „Spezielle Zoologie: Amphibien und Reptilien“.

„Props“ kommt aus dem Theatergebrauch und ist die Abkürzung für das englische „stage properties“, übersetzbar mit „Theaterrequisiten“. In der Naturvermittlung sind das die Hilfsmittel, die wir verwenden, um abstrakte Prozesse zu veranschaulichen (z. B. mittels historischer Karten die Dynamik der Donau), oder metrische Daten vorstellbar (Seeadlertuch in Originalgröße, etc.), Details eines Organismus sichtbar (Biberzähne, etc.) oder für uns Unhörbares hörbar zu machen (Batdetektor, etc.).

Props können außerdem Botschaften unterstreichen, z. B. veranschaulichen wir mit Hilfe von Vogeleier-Attrappen auf einer Schotterbank den Hintergrund des Betretungsverbots an bestimmten Uferabschnitten. Sie können nachhaltiges Erleben mit allen Sinnen ermöglichen oder Aufmerksamkeit und Aktivität generieren. Es ist jedoch gar nicht so einfach, immer das richtige Mittelmaß zwischen Wissensvermittlung und eigenem Erleben-lassen zu finden. Unser erklärtes Hauptziel ist es, Naturerfahrungen zu bieten, die nachhaltig berühren. Da ist außer umfangreichem Wissen und Hintergrundinformation zur Zielgruppe viel Fingerspitzengefühl, jahrelange Erfahrung im Gebiet und Timing gefragt. Und manchmal ein kleiner Rucksack voller zusätzlicher Geheimnisse, die man im besten Fall gar nicht benötigt, weil die Natur alles zur Verfügung stellt.

Aber letztere ist unberechenbar und daher zumindest bei mir der kleine, mit Bedacht gepackte, Rucksack immer dabei. Und da jede/r von uns zuhause zuhauf Kisten und Koffer, Döschen und Schachteln voller verschiedener, über die Jahre gesammelter Props hortet, ist für Abwechslung bei den Touren mit der alten und bald auch neuen Kollegenschaft gesorgt. Der Kreativität und Interdisziplinarität sind keine Grenzen gesetzt, die möglichen Zugänge nahezu unendlich. Es macht Spaß, sich nicht nur über das „Was“, sondern auch über das „Wie“ Gedanken zu machen. Dazu hoffe ich, angeregt zu haben.

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„Amphibien und Reptilien“ als Thema bei der Naturvermittlung sind dankbar und undankbar zugleich. Dankbar einerseits, weil sie sich im Gegensatz zu Vögeln und Säugetieren gut aus der Nähe betrachten lassen. Undankbar deshalb, weil mit ihrem Auftreten meistens nicht fix gerechnet werden kann und die Begegnungen eher zufällig sind. Einige zuverlässige Konstanten gibt es dennoch: Amphibien trifft man meistens bei den Bootstouren, wo junge Wasserfrösche an den Ufern nach Insekten jagen, Kaulquappen und Teichmolche sind regelmäßige Höhepunkte bei den Tümpelprogrammen mit Kindern. Auf Wanderungen trifft man bei günstigen Witterungen die Europäische Sumpfschildkröte in den Altarmen auf Totholz sonnend an, mit Glück kriecht eine Ringelnatter oder hüpft ein Springfrosch über den Weg. Auf Wiesen und Treppelwegen wuseln Zauneidechsen herum. In milden, wasserreichen Frühsommernächten tönen laut Rotbauchunken und Laubfrösche durch die Au. Mir war es ein besonderes Anliegen zu vermitteln, wo und wann mit welchen Begegnungen zu rechnen ist. Denn die Informationen sind bei Ausbildungen immer sehr dicht gepackt und oft fehlt zu Beginn der Überblick, welche davon für die ersten eigenen Führungen tatsächlich relevant sind.

Die Wissensvermittlung bei der Naturvermittlungs- und Rangerausbildung ist durchaus fordernd, weil das Hintergrundwissen unter den Auszubildenden sehr heterogen ist, was in meinen Augen eine sehr schwierige Zielgruppe darstellt. Als Vortragende will ich schließlich weder langweilen noch überfordern. Durch die Corona-Maßnahmen war auch der persönliche Austausch in der Gruppe etwas eingeschränkt. Dennoch ist für mich der bedeutendste Höhepunkt solcher Veranstaltungen sicher der, dass man viele neue Leute kennenlernt, mit denen man das gleiche Interesse teilt.

Als angenehmer Nebeneffekt bot sich außerdem für mich im Vorfeld die Zeit, erneut meine eigenen Führungen und die Handhabung von Props zu reflektieren und durch die umfangreichen Vorbereitungen blieb auch der eigene Wissenszuwachs nicht aus.

Eva-Maria Pölz
Nationalpark-Rangerin

Fotos: Frenzel, Pölz

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