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16.02. 2023

Forschung aktuell: Monitoring des Scharlachroten Plattkäfers im Nationalpark Donau-Auen

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Der Scharlachrote Plattkäfer, Cucujus cinnaberinus, wird von der Roten Liste Österreich als stark gefährdet eingestuft. In der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist er im Anhang II und Anhang IV gelistet. Damit gilt er als eine Tierart von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Seit 2020 gibt es im Nationalpark Donau-Auen ein Monitoring zur Bestandserfassung des Scharlachroten Plattkäfers.
Wer weiß, worauf zu achten ist, kann den Scharlachroten Plattkäfer und seine Larven leicht von seinen feuerroten Käfer-Verwandten unterscheiden:

Die Larven von Cucujus cinnaberinus werden oft gemeinsam mit den Larven von Feuerkäferarten der Gattungen Pyrochroa sp. und Schizotus pectinicornis aufgefunden. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist das letzte Segment am Hinterleib (Abdomen) mit seinen Fortsätzen. Bei den Pyrochroa-Larven ist das letzte Segment viel länger als die Vorangegangenen, die Fortsätze sind V-förmig. Alle Abdominalsegmente der Cucujus-Larven sind breiter als lang, die Fortsätze sind ebenfalls V-förmig. Jene bei Schizotus pectinicornis sind dagegen sichelförmig gekrümmt.
Abbildung: Nummer 1: Pyrochroa sp.; Nummer 2: Cucujus cinnaberinus; Nummer 3: Schizotus pectinicornis. Vrezec, Al & Ambrožič Ergaver, Špela & Kapla, Andrej. (2012).

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Bei den erwachsenen Tieren (Imagines) ist die Unterscheidung sogar noch einfacher. Beim Scharlachroten Plattkäfer sind Kopf, Mittelteil (Thorax) und Hinterleib (Abdomen) in etwas gleich breit. Bei allen anderen Arten ist der Kopf deutlich schmäler als das Abdomen.
Abbildung: Nummer 1a: Pyrochroa serraticornis; Nummer 1b: Pyrochroa coccinea; Nummer 2: Cucujus cinnaberinus; Nummer 3: Schizotus pectinicornis.

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Lebensraum

Seine Eier legt der Scharlachrote Plattkäfer in Risse und Spalten von absterbenden bzw. abgestorbenen Bäumen. Nur dickere Stämme in den ersten Jahren des Abbauprozesses sich hierfür geeignet. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung eine kontinuierlich durchfeuchtete Bast- und Kambiumschicht.

Die meisten Nachweise für Österreich stammen von Weiden und Pappeln, welche eine ausgeprägte Baststruktur haben. Umstürzende Bäume einer natürlichen Weichholzau stellen daher einen idealen Lebensraum dar. Durch die Regulierung unserer Flusssysteme wurden natürliche Auwälder zurückgedrängt. Wirtschaftswälder ohne umgestürzte Bäume säumen unsere heutigen Flüsse. Im Nationalpark Donau-Auen werden die Bäume, die im Alter oder durch die Kraft von Wind und Wasser umbrechen, nicht entfernt - ein mittlerweile selten gewordener Lebensraum, nicht nur für den Scharlachroten Plattkäfer, bleibt dadurch erhalten.

Schutz und Monitoring

Der Scharlachrote Plattkäfer ist durch die Aufnahme in der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie streng geschützt. Wie bei vielen anderen Totholz-Organismen ist auch bei diesem Käfer das Fehlen geeigneter Lebensräume die größte Gefährdungsursache. Die beste Möglichkeit, das Fortbestehen der Art zu sichern, ist den Lebensraum zu verbessern.

2020 wurde im Zuge des LE Projekts „Monitoring und Artenschutz im Nationalpark Donau-Auen“ eine Erhebung des Cucujus cinnaberinus Bestandes im östlichen Teil des Nationalpark Donau-Auen gestartet. Im Zuge dessen wurden geeignete Baumstämme auf das Vorhandensein von erwachsenen Tieren und Larven untersucht. Sobald ein Individuum entdeckt wurde, konnte ein digitaler Fundpunkt gesetzt werden. Zu den jeweiligen Funden wurden Fotos der Tiere und des Lebensraums gemacht. Um die seltenen Käfer und das wertvolle Habitat möglichst wenig zu stören, wurde nach einem Fund die Suche in diesem Bereich gestoppt und erst wieder in einem Abstand von ungefähr 500m fortgeführt.

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Im derzeit laufenden LE Projekt „Ökologie und Artenschutz im Nationalpark Donau-Auen“ wird nun in den Jahren 2022 bis 2024 die Erhebung fortgeführt, mit dem Ziel, die Verbreitung und den Populationszustand des Käfers im Nationalpark Donau-Auen vollständig zu erfassen.

Im vorangegangenen LE Projekt konnten 71 Funde nachgewiesen werden, seit 2022 sind bereits 63 neue Punkte dazugekommen. Insgesamt konnten daher an 134 Standorten Scharlachrote Plattkäfer oder ihre Larven beobachtet werden, was für einen ausgezeichneten Bestand im Nationalpark Donau-Auen spricht. Dieses erfreuliche Ergebnis zeigt, dass der Scharlachroten Plattkäfer durchaus häufig sein kann, wenn ein geeigneter Lebensraum vorhanden ist. Das Forschungsergebnis ist ein weiterer wichtiger Grund für den Schutz unserer Auwälder und das Erhalten und Wiederherstellen ihrer natürlichen Prozesse.
Abbildung: Überblickskarte der Nachweise des Scharlachroten Plattkäfers im Nationalpark Donau-Auen (2020-2022) oben, und eine detaillierte Darstellung der Fundpunkte im Bereich Orth/Donau unten.

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Valerie Christ und Aaron Griesbacher

Fotos: Christ, Griesbacher, Horvath, Pavek, Dave Murray/UKBeetles

Hinweis: Die Artenschutzmaßnahmen im Nationalpark Donau-Auen erfolgen unter Förderung durch das Programm Ländliche Entwicklung mit Unterstützung des Landes Niederösterreich sowie der Europäischen Kommission.

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