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Südrussische Tarantel - Lycosa singoriensis

Südrussische Tarantel

Äußerst selten hat man die Gelegenheit, eine große, exotisch anmutende Spinne mit klingendem Namen vor die Augen zu bekommen. Mit bis zu 4 cm Länge ist die Südrussische Tarantel die größte Spinne Mitteleuropas.

Merkmale

Generell tragen Taranteln einen hellen, mittig zentrierten Streifen auf ihrer grauen bis schwarzen Kopfbrust. An ihrem Kopf kann man 2 große und 6 kleine Augen sehen. Die großen Augen dienen dem Sehsinn bei der Jagd, die kleinen können wahrscheinlich nur Licht wahrnehmen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom asiatischen Raum bis ins östliche Österreich. Die Art ist um die Jahrhundertwende in Österreich eingewandert. Möglicherweise gibt es auch ein Vorkommen in den Trockenrasenflächen des Nationalparks Donau-Auen.

Gefährdung und Schutzstatus

Lycosa singoriensis scheint in der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Spinnen als „vom Aussterben bedroht“ auf.

Lebensweise

Trotz ihrer Größe ist die Südrussische Tarantel alles andere als leicht zu entdecken. Als regelrechter Trockenrasen- und Sandbodenspezialist verbirgt sie sich untertags in selbst gegrabenen Erdröhren. Sollte sie doch einmal bei Tag unterwegs sein, so wird sie sich auf Grund ihrer Erschütterungsempfindlichkeit bei Annäherung sofort in ihr Versteck zurückziehen. Einen Beweis für die Anwesenheit der Spinne in einem Ökosystem kann man vielleicht erlangen, wenn man abgestreifte Haut vor den unterirdischen Behausungen findet. Für ihr Überleben benötigt die Art neben einem sandigen Boden auch eine offene und trockene Vegetationsstruktur. Anziehend sind ferner Uferbereiche von Salzlacken. Wenn die Vegetation durch Nichtbeweidung zu hoch und zu dicht geworden ist, entspricht der Lebensraum nicht mehr den Bedürfnissen der Spinne und sie wandert ab.
Mit ihren kräftigen Fangklauen, die bei Bedarf mit den Giftdrüsen verbunden werden, ist die Südrussische Tarantel in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Die Menge und Konzentration des Giftes reicht aber in der Regel nicht aus, um uns ernsthafte Probleme zu bereiten. Nachts verlassen die Tiere ihre Erdröhre und begeben sich aktiv auf die Jagd. An günstigen Plätzen warten sie auf vorbei kommende Insekten, zum Beispiel Käfer. Diese werden aus wenigen cm Entfernung angesprungen und mittels Giftbiss überwältigt. Anschließend wird die Beute ausgesaugt, bis nur mehr die Haut übrig bleibt.
Nach erfolgter Paarung übernimmt das Weibchen das Austragen der Eier, dazu wird der Eikokon am Hinterleib festgehalten. Ebenso werden später auch die Jungspinnen am Körper bewacht und verteidigt.

Besonderes

Der Name Tarantel stammt vom Ort Tarant im Apulien. Laut einer Sage soll der Biss einer Tarantel rasende Tanzsucht hervorgerufen haben. Durch die Bisse der Tarantel soll sich der Volkstanz „Tarantella“ entwickelt haben.





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