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Flussmuschel - Unio sp.

Flussmuschel

Oftmals merkt man die Existenz von Flussmuscheln erst durch den Fund von offenen Muschelhälften. Als lebende Individuen führen sie ein verborgenes Leben am Gewässergrund. Muscheln sind nicht so unbeweglich wie sie erscheinen, sie wandern im Sediment herum.

Merkmale

Unio sp. kann sich mit Hilfe ihres kräftigen Fußes, ähnlich den Schnecken, erstaunlich schnell fortbewegen oder sich an einer günstigeren Stelle wieder eingraben. Ihren hellen Weichkörper schützen zwei aufklappbare Schalenhälften, die sich mit einem Muskel sehr fest verschließen können. Die elliptisch bis eiförmige Schale kann bis zu 10 cm lang sein und ist nicht ganz doppelt so lang wie hoch. Die dickschaligen Schalenklappen jüngerer Muscheln sind von grünlicher und gelbbrauner Färbung, alte Exemplare sind durch einen Eisen-Mangan-Überzug dunkel gefärbt und besitzen einen stark korrodierten Wirbelbereich. Sollte Unio sp. eingegraben sein, ragt die Atemöffnung dennoch immer aus dem Boden.

Verbreitung

Flussmuscheln sind in ganz Mitteleuropa, mit Ausnahme der Britischen Inseln verbreitet. Manchmal sind sie auch in Gebieten zu finden, die höher als 600 m liegen. Im Nationalpark Donau-Auen sind die Große Flussmuschel (Unio tumidus) und die Malermuschel (Unio pictorum) nachgewiesen. Die Grosse Flussmuschel (Unio tumidus) ist der Gemeinen Flussmuschel (Unio crassus) ähnlich, stellt aber geringere Ansprüche an die Wasserqualität. Sie bevorzugt möglichst langsam fließende Gewässer. Die Malermuschel (Unio pictorum) besiedelt den Hauptstrom und die Seitenarme der Donau.

Gefährdung und Schutzstatus

Unio crassus ist stark gefährdet und als eine Art nach Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG eingestuft. Damit steht sie in der gesamten EU unter Schutz, es müssen Schutzprogramme entwickelt und spezielle Schutzgebiete ausgewiesen werden. Diese früher häufige Art stellt hohe Lebensraumansprüche – möglichst Gewässergüteklasse I oder II - und ist empfindlich gegen chemische Verunreinigungen wie z.B. die Einleitung künstlicher Düngemittel über Drainagen.

Lebensweise

Die Flussmuscheln ernähren sich vor allem von Plankton und feinsten organischen Schwebstoffen, die sie in ihren Kiemen auffangen. Dazu pumpen sie bis zu 20 Liter Wasser pro Stunde durch ihren Körper. Durch die große Biomasse, in großen Flüssen bis zu zwei Drittel, sorgen sie in ihren Wohngewässern für merkbar klareres Wasser. Als sehr langlebige Art kann Unio crassus über 20 Jahre alt werden.

Besonderes

Das Frühjahr bis Anfang des Sommers ist die Fortpflanzungszeit für mindestens 4 Jahre alte Tiere. Die Männchen geben Spermien ins Wasser ab, sie werden von den Weibchen mit den Kiemen aufgenommen. Ein erwachsenes Weibchen gibt dann bis zu 50 000 Glochidien (Muschellarven) in das Gewässer ab. Mit etwas Glück werden einige wenige Glochidien über das Atemwasser der Wirtsfische eingesogen, sodass sie sich in den Kiemen festsetzen können; Das gelingt ihnen durch einen Dorn an jeder Seite. Nach einer sechswöchigen Zeit als Parasit in den Wirtsfischen, z.B. Groppe, Döbel, Hasel, wandeln sie sich zu Jungmuscheln um und verkriechen sich im Bodensediment. Diese Phase kann bis zu mehreren Jahren dauern; hierbei ist es wichtig, dass die Sand- und Kieszwischenräume im Untergrund nicht verstopft sind (Kolmation), da es sonst durch Sauerstoffmangel zum Absterben der Jungmuscheln kommen kann.





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