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Schwarz-Holunder - Sambucus nigra

Schwarz-Holunder

Der Schwarz-Holunder wächst unter normalen Bedingungen zu einem stattlichen Strauch heran, gelegentlich wird er sogar zu einem kleinen maximal 11 m hohen Baum mit brauner, rissiger Borke. Die intensiv duftenden weißen Blütenstände, die vielfältige Verwendung der Blüten und Fruchtstände sowie sein häufiges Auftreten entlang von Wegen und Waldrändern machen ihn zu einer der bekanntesten Erscheinungen des Auwaldes.

Merkmale

Der Schwarz-Holunder ist ein bis zu 11 m hoher großer Strauch oder kleiner Baum mit krummen Stamm und dichtbelaubter Krone. Er hat eine flache Bewurzelung und eine hohe Ausschlagfähigkeit. Die jungen leicht kantigen Triebe bleiben relativ lange unverholzt. Ihre zunächst grüne, später graubraune kahle Rinde trägt zahlreiche deutlich vorgewölbte Lentizellen. Bei einem schräg geführten Querschnitt ist das weiße weiche Mark gut zu erkennen. Das kernlose Holz ist gelblich-weiß, glänzend, hart und hat deutlich erkennbare Markstrahlen. Holunderholz enthält weder Zug- noch Druckholz. Die Rinde des Schwarz-Holunders ist frei von Bastfasern, hellbraun bis grau, rissig und im Alter als Schuppenborke ausgebildet. Die zumeist einzeln oder scheinbar zu zweit stehenden Endknospen sind relativ groß (bis 8 mm) , breit eiförmig und kahl und mit rötlichbraunen bis violetten Knospenschuppen versehen. Seitenknospen haben fast die gleiche Größe wie Terminalknospen und stehen etwas vom Spross ab. Die Blätter des Schwarz-Holunders sind gegenständig angeordnet und gefiedert. Sie erscheinen vor der Blüte und unterliegen keiner Herbstverfärbung. Die eiförmig-elliptischen gesägten Einzelfiedern sind 6-10 cm lang, 3-4 cm breit und kurz gestielt. Davon abweichend ist die Endfieder größer. Die intensiv duftenden Holunderblüten stehen zu vielen in flachen Schirmrispen von bis zu 15 cm Durchmesser am Ende von Trieben (Mai/Juni). Ihren Namen verdankt die Art den bei der Reife glänzend schwarzvioletten, sehr saftreichen beerenartigen Steinfrüchten. Die Holunderbeeren sind essbar, werden roh jedoch nicht von jedem vertragen.

Verbreitung

Der Schwarz-Holunder ist mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel und dem Norden Skandinaviens in ganz Europa häufig vertreten. Er ist ein Strauch des Flachlandes, tritt aber im Alpenraum vereinzelt bis in Höhen von 1600 m auf. In allen österreichischen Bundesländern vorkommend. Im Nationalpark trifft man ihn vor allem in der Frischen und Harten Au, an Auwaldrändern und lichten Stellen des Auwaldes, in Gebüschen und auf Schlagflächen an.

Gefährdung und Schutzstatus

Weder in Österreich noch in Europa gefährdet, im Nationalpark häufig anzutreffen.

Lebensweise

Schwarz-Holunder Der Schwarz-Holunder kommt von Natur aus auf frischen, nährstoffreichen und tiefgründigen Böden vor, so z. B. auf alluvialen Standorten, in Lichtungen feuchter Wälder, an Bachläufen und in Auwäldern. Er gilt als zuverlässiger Stickstoffzeiger und erträgt starken Verbiss. Bekannt sind die bodenverbessernden Eigenschaften der proteinreichen rasch abbauenden Laubstreu.

Besonderes

Von alters her werden besonders die Blüten, Früchte und Blätter des Schwarz-Holunders in vielfältiger Weise medizinisch und kulinarisch genutzt. Reife Früchte dienen zur Herstellung von Saft, Gelee und Wein. Unreife Früchte sind demgegenüber schwach giftig, ihr Genuss löst Brechreiz aus und wirkt abführend. Die Blüten werden, neben der Verwendung als Hollerblütensirup, als Tee gegen Nieren- und Blasenleiden und zur Blutreinigung verwendet. In Palatschinkenteig getauchte und im Schmalz herausgebackene Blüten gelten ebenso als Delikatesse wie die vielfachen Verwendungen der reifen Früchte. Holunderholz enthält weder Zug- noch Druckholz, lässt sich gut spalten, gut polieren und eignet sich hervorragend zum Drechseln. Das weiße Mark wurde früher von Uhrmachern als Putzmittel verwendet und aus den Wurzelmasern wurden Tabaksdosen und Pfeifenköpfe hergestellt. Doch die Wertschätzung des Schwarz-Holunders beruht nicht allein auf der vielfachen Verwendungsmöglichkeit des Holzes, der Blüten oder Früchte. Man schrieb ihm mythische, vor allem geisterabwehrende Kräfte zu. Auch vermied man Holundersträucher zu fällen, da allerlei Feen, Kobolde und böse Geister in deren Krone wohnen könnten. Zumindest half man sich mit schützenden Bannsprüchen, wenn es einmal unumgänglich war ihm zu Leibe zu rücken. Auch die "Weiße Frau" - "Frau Holla" hatte ihren Wohnsitz in der Krone des Holunders. Diese alte mystische Erscheinung war niemand geringer als die germanische Göttin Freya, die über die Jahrhunderte hindurch in den Volksmärchen als "Frau Holle" überdauert hat. So heißt es, dass jeder Schläfer unter einem Hollerbusch vor bösen Geistern, Hexen und wilden Tieren geschützt sei - und die Ehrerbietung gegenüber diesem bedeutenden Strauch findet sich in dem Ausdruck "Vor´m Holler soll man den Hut ziehen" auch im Volksmund wieder.





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