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Dingel - Limodorum abortivum

Dingel

Aufgrund des fast chlorophylllosen, violett überlaufenen Aussehens ist der Dingel mit keiner anderen Orchideenart zu verwechseln.

Merkmale

Die Pflanze wird 20 bis 80 cm hoch und besitzt keine grünen Blätter da der Dingel mittels einem Pilz auf der Schwarzföhre parasitiert. Die gesamte Erscheinungsform des Dingels ist kräftig und mehr oder weniger violett eingefärbt. Der fein gestreifte Stängel trägt 4 bis 20 Blüten und über die gesamte Länge verteilt kurze, zahlreiche scheidenförmige Blattschuppen. Die Tragblätter überragen den gedrehten zum Stiel verschmälernden Fruchtknoten. Die Blüten sind groß (bis 4 cm), kurz gestielt und violett, selten rot. Die eiförmig-lanzettlichen Sepalen (äußere Blütenblätter) sind 20 bis 25 mm lang und 7 bis 11 mm breit, außen grünviolett und innen hellviolett mit dunklen Adern. Die Petalen (innere Blütenblätter) sind deutlich kürzer (16 bis 19 mm lang) und ebenso deutlich schmäler (3 bis 4 mm breit). Die hellviolette, mit dunkelvioletten Längsstreifen gemusterte Lippe ist undeutlich gegliedert und an den Seitenrändern wellig eingerollt. Der Sporn ist nach unten gebogen und fast so lange wie der Fruchtknoten. Die Blütezeit reicht von Ende April bis Anfang Juli.

Verbreitung

Der Dingel ist im gesamten Mittelmeerraum vorhanden, reicht über Kleinasien bis zur Krim. In Europa nordwärts bis Belgien, Süddeutschland und Polen. Im Nationalparkgebiet wurde er in der Oberen Lobau nachgewiesen.

Gefährdung und Schutzstatus

Dingel Alle Orchideen sind in ganz Österreich unter strengem Schutz gestellt.

Lebensweise

Limodorum abortivum wächst in lichten Föhren- und Flaumeichenwäldern aber auch in Laubwäldern und auf Trockenrasen mit lockerem Schwarzföhren-Bestand. Saure Böden werden gemieden, hingegen nährstoffarme, kalkhaltige Standorte bevorzugt.

Besonderes

Das Aufblühen der Knospen ist weitgehend von der Witterung abhängig. Bereits zu Keimbeginn geht der Dingel eine Symbiose mit einem Mykorrhizapilz der Schwarzföhre ein. Alljährlich befallen die Pilzhyphen die neu herangewachsenen Wurzeln der Orchidee und wuchern in dafür vorgesehenen Zellen. Das Hyphenwachstum wird ab einer bestimmten Dichte vom Dingel mit einer Abwehrreaktion gestoppt und zum Kollabieren gebracht. Die ausfließenden Nährstoffe werden zum körpereigenen Aufbau verwendet.





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