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Rote Zaunrübe - Bryonia dioica

Rote Zaunrübe

Kletternde Pflanzen sind in unserer mitteleuropäischen Flora nicht sehr häufig. Die nahe mit dem Kürbis verwandte Zaunrübe hält sich mit speziellen Rankenblättern an benachbarten Pflanzen fest und erreicht so eine beachtliche Länge von bis zu 4 m. Es gibt rein männliche und rein weibliche Pflanzen.

Merkmale

Die Rote Zaunrübe hat ihren Namen von ihren roten Früchten und der rübenartigen Wurzel. Sie erreicht eine Länge von 2-4 m, wobei sie mit Hilfe umgestalteter, rankender Blätter andere Strukturen umwickelt und so eine beträchtliche Höhe erreichen kann. Der Stängel ist dünn und fühlt sich rau an. Die Blätter sind lang gestielt mit einer breit herzförmigen oder fünfeckigen bis handförmig gelappten Laubblattspreite. Die Pflanze ist zweihäusig, es gibt rein männliche und rein weibliche Pflanzen. Die Blütenstände sind kurz gestielt und unscheinbar. Nach der grünlich-gelben Blüte im Juni und Juli wird eine kugelige etwa 6 mm dicke, leuchtend rote Beere gebildet.

Verbreitung

Die Rote Zaunrübe ist in Mitteleuropa und dem westlichen Südeuropa verbreitet. Bei uns kommt die Pflanze nur im pannonischen Teil Österreichs häufig vor. In der Steiermark sind die Vorkommen erloschen, in Vorarlberg und Salzburg tritt die Art nicht auf. In Tirol wurde sie eingeschleppt. Die wärmebedürftige Pflanze kommt nur in den Tieflagen vor, wo frische, nährstoffreiche Hecken, Wald- und Gebüschsäume und Auwälder besiedelt werden.

Gefährdung und Schutzstatus

Die Art ist in Österreich regional im südöstlichen Vorland der Alpen sowie in den Kärntner Becken- und Tallandschaften gefährdet.

Lebensweise

Die Rote Zaunrübe ist eine ausdauernde Pflanze, die alljährlich aus ihren rübenartigen unterirdischen Teilen austreibt. Sie ist eine lichtliebende Art, die an nährstoffreichen Standorten wächst, wo sie allerdings in der Regel von anderen groß werdenden Pflanzen umgeben ist. Dennoch investiert sie keine Energie in die Ausbildung von Stützgewebe wie dies ihre Nachbarpflanzen tun. Die Zaunrübe klettert mit Hilfe spezieller Rankenblätter. Diese meist unverzweigten dünnen Gebilde umschlingen korkenzieherartig benachbart stehende Pflanzen oder auch Zäune (Name) um in die Höhe ans Licht zu gelangen. Sie benutzt also das Stützgewebe anderer Pflanzen und hat dadurch Energie zur Ausbildung von Blattmasse, Blüten und Früchte zur Verfügung. Die auffälligen roten Beeren werden durch Vögel gefressen. Die darin enthaltenen Samen passieren den Verdauungstrakt unbeschadet und werden alsbald mit einem Häufchen Kot, weit entfernt von der Mutterpflanze, wieder ins Freie entlassen. Versorgt mit diesem Düngervorrat können sie im nächsten Frühjahr austreiben.

Besonderes

Vor allem die Schwarze Zaunrübe, Bryonia alba, wurden früher volksarzneilich verwendet. Die ganze Pflanze ist stark giftig. Etwa 40 der schwarzen Beeren gelten für Erwachsene als tödliche Dosis, bei Kindern kann bereits der Verzehr von 15 Beeren zum Tod führen. Die Wurzel enthält die Glykoside Bryresin und Bryonin sowie Gerbstoffe und ätherisches Öl. Ähnliches gilt auch für die Rote Zaunrübe, welche früher als stark wirksames Abführmittel verwendet wurde. Weiters wurden Zaunrübenextrakte in der Vergangenheit als harntreibende Drogen sowie als Abtreibungsmittel (mit erheblichen Nebenwirkungen) verwendet.





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