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Gewöhnliche Hasel - Corylus avellana

Gewöhnliche Hasel

Die Hasel ist ein in Europa und Kleinasien weit verbreiteter, mehrstämmiger Strauch mit einer Höhe von etwa 6 m und einem außerordentlich hohem Ausschlagvermögen. Ein markantes Blattmerkmal stellt neben dem doppelt-gesägtem Blattrand die deutlich ausgezogene Spitze dar. Die Art bevorzugt warme Lagen, blüht bereits im Spätwinter und bildet schmackhafte, fett- und proteinreiche Früchte - die Haselnüsse- aus, die seit altersher vom Menschen genutzt werden. In den Donau-Auen ist sie häufig an den Waldsäumen und an höher gelegenen Standorten anzutreffen.

Merkmale

Die G. Hasel ist ein ausgebreiteter, stets mehrstämmig und aufrecht wachsender Strauch mit einer flachstreichenden Bewurzelung und einem hohen Ausschlagvermögen. Die Art ist sommergrün und erreicht nur vereinzelt Höhen von über 6 m, sowie ein Alter von 60 bis 80 Jahren. Die Rinde ist graubraun, glatt und glänzend und rollt sich pergamentartig ab, wobei besonders die jungen Triebe dicht mit rotbraune Drüsenhaaren besetzt sind und zahlreiche, relativ große, helle und waagrecht stehenden Lentizellen aufweisen. In älteren Jahren wird die Rinde längsrissig, es wird allerdings keine Borke ausgebildet. Die Zweige sind sehr zäh und biegsam. Die G. Hasel hat stumpf eiförmige, etwa 5 bis 7 mm lange, glänzend kahle und vielschuppige Winterknospen. Die 7 bis 13 cm langen und 6 bis 10 m breiten Blätter sind zweizeilig oder wechselständig angeordnet, an kräftigen Trieben auch spiralig. Die rundliche bis verkehrt eiförmige Blattform endet in einer deutlich ausgezogenen Blattspitze, hat mitunter eine etwas asymmetrische Basis und einen doppelt gesägten Blattrand. Die Blattoberseite ist zerstreut behaart und dünkler als die Unterseite und die kleinen, eiförmigen Nebenblätter fallen frühzeitig ab. Die einhäusige G. Hasel blüht je nach Standort von Februar bis April, auf jedem Fall vor dem Blattaustrieb und gilt als Windblütler, zählt aber dennoch zu den wichtigen Pollenlieferanten der Bienen im zeitigen Frühjahr. Bereits im Sommer bilden sich an den vorjährigen Zweigen die männlichen Blütenanlagen und bleiben den Winter über am Strauch. Sobald es wärmer wird streckt sich die sogenannte Blütenspindel zu 3 bis 5 cm langen, walzenförmigen Staubkätzchen, die zumeist zu zwei bis vier beisammen stehen und den aufblühenden Staubblüten genügend Raum geben um ihren Pollen auszuschütten. Die unscheinbaren, eiförmigen, weiblichen Blüten sind von den Laubknospen nur durch die karminroten, kleinen, herausragenden Narbenbüscheln zu unterscheiden. Die Früchte, die im August/September reifen, bestehen aus dem öligen Nußkern, der holzigen Schale und der grünen, glockenförmigen und unregelmäßig zerschlitzten Fruchthülle. Die reife Nuß hat einen weißlichen Grund, ist etwa 1,5 bis 2 cm lang und steht einzeln oder zu mehreren zusammen. Sie enthält einen großen, wohlschmeckenden, nahrhaften, öl- und stärkehaltigen Samen. Das Holz der G. Hasel ist rötlichweiß und sehr zäh. Die Verbreitung der Samen übernehmen Kleinsäuger und Vögel. Kleiber klemmen die Nüsse in die Spalten von Baumrinden und öffnen sie mit Schnabelhieben.

Verbreitung

Gewöhnliche Hasel Das natürliche Areal der G. Hasel erstreckt sich über weite Teile Europas und Kleinasiens. Es reicht von den Mittelmeerländern bis Norwegen und im Osten über den Balkan bis zum Kaspischen Meer und dem Kaukasus. Die G. Hasel spielte in der postglacialen Waldgeschichte Mitteleuropas eine wichtige Rolle, indem sie mit zunehmender Erwärmung (7000 bis 6000 v.Chr.) die Kiefer als dominierende Baumart ablöste (Haselzeit). In Österreich kommt sie in allen Bundesländern häufig vor und ist auch in den Donau-Auen in Bereichen der Harten Au sowie im Hanwald oft anzutreffen.

Gefährdung und Schutzstatus

Weder in Österreich noch in Europa gefährdet.

Lebensweise

Die Haselnuss bevorzugt feuchte, aber gut durchlüftete, kalkhältige, nährstoffreiche und warme Böden mit hohem Humusgehalt. Der anspruchsvolle, lichtliebende aber Schatten ertragende Strauch kommt jedoch mit vielfältigen Bodenverhältnissen zurecht und ist häufig in Gesellschaft von Hainbuchen-Wäldern, Hartholz-Auenwäldern, in Gebüschen, an Waldrändern, Bach- und Flußufern und als typischer Eichenbegleiter als Unterholz an lichten Standorten in Laubmischwäldern zu finden. Sie ist dabei von der Ebene bis in Höhenlagen von 1800 m in den Alpen anzutreffen.

Besonderes

Haselnüsse werden vom Menschen bereits seit der Mittleren Steinzeit genutzt, und sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern stand die Hasel in Kultur. Sie nahm auch unter den Germanen eine besondere Stellung ein, war dem Thor geweiht und durfte nicht abgeschlagen werden. Der mythische Charakter der Hasel zeigt sich in vielen, zum Teil in Vergessenheit geratenen Bräuchen, so etwa dem Abstecken der Gerichts- und Kampfstätten mit Haselzweigen, aber auch der Verwendung als Wünschelrute. Heute werden die Samen entweder zu Öl verarbeitet oder gemahlen als Zutaten für Backwaren, Süßigkeiten oder Speiseeis verwendet. Das Öl wird dabei als Speiseöl, als Schmiermittel für Taschenuhren und sonstige feine Apparate sowie zur Farbenherstellung herangezogen. Das Holz wird fallweise zur Herstellung von Flechtzäunen, Spazierstöcken sowie als Ausgangsmaterial für Zeichenkohle verwendet. Auch in der Naturheilkunde werden bestimmte Teile der G. Hasel herangezogen, so z.B. für Behandlungsmethoden gegen Krampfadern, Nasenbluten, Fettleibigkeit oder Venenentzündungen. Hervorzuheben ist auch die ökologische Bedeutung der Hasel durch ihre leicht zersetzbare, nährstoffreiche Streu, sowie das intensive, weitverzweigte und bodenfestigende Wurzelsystem.

 





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